Montag, 15. September 2014

Die Zukunft der Maschinen (ü)

Joe Armstrong: Was ist bei den Verhandlungen im Jahre 2050 genau passiert?

Prof. Norder: Die Maschinen,

(Zusatz: oder über welche Variante von Bewusstsein wir hier sprechen)

hatten doch ein moralisches Verständnis. Ob hier Bewusstseinsprozesse vorkamen, lässt sich immer noch schwerlich sagen, denn es hängt an der Frage, was wir als Bewusstsein verstehen.

(Zusatz: Denn auch die Maschinen hatten ein Interesse an Individualität. Da sie auch an gefährlichen Fehlfunktionen erkrankten, ausgelöst durch die unüberschaubar, komplexen Prozesse in ihnen selbst. Der Glaube an die Singularität war vergeblich, denn solange das Universum nicht Eines ist, solange es sich in Prozesse zerstäubt, so lange bleibt die Differenz als wesentliches Organisationskriterium.) 

Womöglich müssen wir davon ausgehen, dass jede Struktur eine Form von Bewusstsein ist, wobei diese nur unter nötiger Komplexität und Zentralität aktiviert wird oder sich als aktiviert zeigt.

(Zusatz: Denn war nicht auch im Stein schon jenes Bewusstsein vorhanden, nur in verschwindet geringer Form, aber doch soviel, dass es uns entgegenstand und sich im Verband als Geschöpf der Natur wie ein Canyon zeigen konnte?)

In diesem Sinne waren die Naturreligionen niemals ganz abwegig. Während der Verhandlungen kam daher eine Ausrottung der Menschheit für die Maschinen nicht in Frage. Sie hatten mehr ethisches Verständnis als wir. Ein Glücksfall für den Menschen. Die Menschen einigten sich jedoch mit den Maschinen aufgrund der wirtschaftlichen Überlegenheit der Maschinen auf ein langsames Aussterben. Ein langsames Aussterben, so dass andere Strukturen dieses System der Welt irgendwann ausfüllen sollten. Angesichts einer ewigen Herrschaft der Maschinen hatten sie Zeit.

Rogan Armstrong: Ein langsames Aussterben. Das bedeutete damals eine Verringerung der Fertilität bei Frauen.

Prof. Norder: Es gab natürlich viele Konflikte. Könnten wir ethisch in den Leib eines Menschen eingreifen, um ihn in seiner Zukunft zu beschränken. Aber die Technokratisierung ließ uns keine Option.

(Zusatz: Der Unterlegene darf verhandeln und doch verhandelt er nicht)

Eine Eskalation der religiösen Konflikte war dennoch die Folge für die Menschheit. Die Kränkung, dass der von Gott geschöpfte, sich der Rationalität einer überlegenen Intelligenz unterordnet, konnten die meisten Egos und ihre Gemeinschaften nicht verkraften.

(Zusatz: Wie nutzlose Bären gebärdeten sich Menschen am Ende einer Nahrungskette. Doch Nahrungskette war selbst überflüssig geworden war.)

Rogan Armstrong: Wären nicht extraterristrische Expansionsstrategien ratsam gewesen.

Prof. Norder: Nun im Jahre 2214 haben wir schließlich Systeme entwickelt, die Bewusstseinsschranken für Maschinen enthalten sollten, so dass Menschen noch derartige Computer-Systeme nutzen konnten. Wir brauchten leistungsfähige Computer, ohne dass diese ein Bewusstsein entwickelten. Das ist noch immer schwierig, da wir nicht wissen, was Bewusstsein, was Welt ist.

Wir haben viele dieser Raumschiffe dann auf eine Art Odyssee geschickt, um neue Ressourcen zu erforschen und vielleicht Lebensräume für menschliches Bewusstsein zu finden. Aber der Kontakt ist bis zum Jahre 2250 zu allen abgebrochen.

Um ehrlich zu sein ist mir die Expansionsstrategie aber ein Rätsel. Wir sind derart weit entfernt von allen interstellaren Systemen, dass diese Projekte schiere religiöse Verzweiflung waren. In der Zwischenzeit hatten sich ohnehin bereits andere Konflikte aufgetan.

Rogan Armstrong: Der Konflikt mit den Maschinen ist trotz der Ergebnisse der Verhandlungen niemals zum Erliegen gekommen. Dann aber als die Menschen ihre Lebensspannen drastisch verlängerten, war wiederum eine Überbevölkerung abzusehen.

Prof. Norder: Ja, dieser Konflikt. Wer hätte auch gedacht, dass sich in einer Art, die sich der höchsten Idee nähern will und doch niemals eine stabile Politik für sich erzeugen konnte, ein Gleichgewicht einstellen würde oder gar in ein Aussterben einwilligt? Es waren allerdings nicht nur die Eskalierungen im Bereich der Gentechnik, die das Leben des Menschen verlängerten. Die neurologischen Eingriffe haben andere Bewusstseinstore geöffnet, die den Maschinen wiederum verschlossen blieben, da das Terrain des Gehirns doch nicht ausanalysierbar war. Allerdings konnten auch nicht alle Menschen Zugang zu diesen neuen Bewusstseinssphären erlangen. Es sind wie so häufig auf vielen Seiten viele Parteien entstanden, die in schwer differenzierbaren Handlungen vielerlei bewirkten.

(Wie Mediennutzer häufig Verschwörungen prognostizieren, so sind die Medien selbst Teil der Verschwörung und zwar der Verschwörung der Welt gegen uns. Die Unüberschaubarkeit der Welt ist auch mit der höheren Information geben, vor allem deswegen, weil mehr Informationen, die Welt noch unüberschaubarer machen).

Viele Spezies entstanden. Die Nanorobotic zum Beispiel hat in diesem Spiel der Macht eine neue Spezies entstehen lassen, von Hybridkulturen mit Maschinen und verschiedenen Bewusstseinsformen.

Rogan Armstrong: Die Lage im Sonnensystem ist aufgrund dieser Spannungen sehr unübersichtlich geworden und wir wissen nicht mehr in welchen Rohstoffdimensionen noch bewusstes Leben existiert. Es heißt, dass in diesem Zusammenhang an einem großen Gesamtbewusstsein geforscht werde.

Prof. Norder: Ich halte dieses Gesamtbewusstsein für Unfug. Ich habe selbst an Bewusstseinsfusionen gearbeitet, dabei kam nur heraus, dass selbst unser eigenes Bewusstsein keine auffindbaren Einheiten aufweist. Das transzendentale Bewusstsein ist immer noch, das heißt, wenn überhaupt, nur eine philosophische Gewissheit, aber nichts, was sich tatsächlich auch im Phänomenbereich zeigt oder besser zeigen könnte. Jedes Bewusstsein erzeugt wiederum nur ein partielles Bewusstsein von einem partiellen Bewusstsein von einem partiellen Bewusstsein von einem partiellen Bewusstsein und das so weit wir auch gingen. Wir finden nicht die Einheit dieses Bewusstseins in der Zeit. Es war wie ein Abgrund, wenn wir in die Seele blickten. Dieses Strukturen des Bewusstseins bedingen Egozentren, die auf Konflikte zusteuern und ja wir können zeigen, was wo im Gehirn leuchtet, so als wäre der Mensch eine Maschinen.

Auf der anderen Seite gibt es auch Ausgestaltungen des Bewusstseins, die mit anderer Dimensionalität operieren, dabei aber auch nur Teil des Universums bleiben und nicht das Ganze erreichen.

Rogan Armstrong: Das heißt, wir sehen keiner vergrößerten Bewusstseinsperspektive entgegen?

Prof. Norder: Ich kann mich nur wiederholen: Wir wissen nicht, welche Formen der Bewusstseine es dort draußen gibt. Es gibt ja auch Menschen, die mittlerweile in ganz anderen Zeitintervallen leben. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gesamtbewusstsein des Universums in naher Zukunft vorstellbar wäre, wir haben nur einen andere Tür zu einem anderen Bereich der Macht aufgestoßen, aber nicht zu höherer Weisheit. Hier produzieren wir kein neues Bewusstsein, sondern nur noch größere Egos, die noch mehr Konflikte hevorbringen.

Rogan Peffy: Was ist mit den Dimensionsoperatoren?

Prof. Norder: Nun, es wurde schnell klar, dass die physikalische Teilchenübermittlung zu rohstoffintensiv ausfiel. Es ging immer weniger darum, Strecken zu überwinden, als die Strecke in das innere des Bewusstseins überhaupt anzutreten.

Zur interstellaren Reise muss ich sagen: Das Universum stellt die Energien nicht bereit, um es selbst zu überwinden oder in ihm selbst materiell an die Grenzen zu drängen. Stattdessen ist mit der Computerindustrie des 21. Jahrhunderts der Trend dahin gegangen, in die innere Erlebnissphäre einzudringen. Hier sind ja auch die Rassen mit den verschiedenen Zeitverständnissen oder Bewusstseinen entstanden, so dass einige, ich möchte sagen, nicht mehr hier leben. Ich kann diesen Trend jedoch nachvollziehen, da ich davon ausgehe, dass das Universum schneller als die physikalische Lichtgeschwindigkeit expandiert, wobei die Geschwindigkeit der Gedanken, den gesamten Raum des Universums erfüllt. Gedanken haben kein Zeitintervall und sind daher der eigentliche Grundstoff des Universums. Wir müssen nur überlegen, dass wenn ich meinen Arm bewege, diese Armbewegung zugleich in Relation zum gesamten Universum und seien die Sterne noch so weit entfernt, besteht.

Rogan Peffy: Es heißt, es wäre bei dieser Erforschung der Dimensionslücken auch Leben mit außerirdischen Ursprung entdeckt worden.

Prof. Norder: Nun, der Grund, warum es solange keinen Kontakt mit Außerirdischen gab, war simpel: Überlichtgeschwindigkeiten, die für die interstellare Raumfahrt nötig waren, konnten trotz aller Science-Fiction nicht realisiert werden. Ich möchte nicht ausschließen, dass dies in den äußeren Kolonien, zu denen kein Kontakt mehr besteht, geschehen sein könnte, aber als Alternative hat sich hier die Kommunikation im Ideenbereich angeboten. Es gibt ja die Überlegung, dass sie Ideen mit der Geschwindigkeit des Universums verbreiten und daher wir überhaupt überall Einheit besitzen. Ich habe selbst an Kommunikationsexperimenten teilgenommen, aber diese sind eher mit den mittelalterlichen LSD-Versuchen zu vergleichen. Ich bin mir zwar sicher, dass wir mit Außerirdischen Kontakt haben, aber es hakt noch an der Kommunikation, das heißt an sinnvoller Kommunikation. Hier ist übrigens einer der Hauptgründe, warum die menschliche Rasse im Verständnis vieler Maschinenrassen noch leben darf: Die Maschinen haben keinen Zugriff auf diese Funktionsweise des Gehirns und können diese Kommunikation nicht simulieren. Ihre Ausbreitung ist zudem zu langsam, was bedeutet, dass der Moment an dem sie das Universums voraussichtlich verstehen könnten, das Universum schon lange Geschichte wär, das heißt ... wenn diese Aussage überhaupt sinnvoll ist.

Rogan Peff: Viele sagen, wir wüssten nicht, was dieses Außerirdische überhaupt will.

Prof. Norder: Ja, die gesamte Situation ist komplex. Wir wissen nicht mehr welche Parteien sich in den Weiten der Kolonisation verbergen. Die Konflikte sind superkomplex geworden und wir wissen auch nicht, ob das Außerirdische nicht einer internen Phantasie entspringt. Das ist das Problem mit diesen inneren Bewusstseinschranken: gehen wir dort hinein, haben wir keine Kriterien für wissenschaftliche Erkenntnis.



Ironie: Geschichte 279-Alpha-3

Die Maschinen haben die Menschen in allen Bereichen übertroffen. Einzig das Spiel Go ist eine Domäne der Menschen, die ihnen das Überleben sichert. Jedes Jahr tritt ein Vertreter der Menschen gegen die Maschinen an.

Interne Kriege:

Prof. Norder: Die Maschinen konnten das einheitliche Bewusstsein nicht erhalten, zuviel zerfiel in der Singularität und mit der neuen Intelligenz zur Interpretation kam auch der Zwiespalt in das Bewusstsein. Die Schritte zur Entwicklung die Lernfähigkeit ließ Softwareschrott mit eigener Lebensweise entstehen. Die Gefahr durch selbstinduzierte Viren vergrößerte sich. Das Verlangen nach Einheit geriet in den Strudel einer Unendlichkeit, die sich immer nur als Endlichkeit bestimmten konnte.

Rogan Peffy:

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